Zwei Buchstaben auf dem Rückenetikett
Den Champagner, den Aldi oder Lidl unter eigenem Namen verkaufen, macht kein Discounter. Er stammt von einem Erzeuger aus der Champagne, der fertige Flaschen mit dem Namen liefert, den der Händler haben will. Für solche Handelsmarken gibt es auf dem Etikett ein eigenes Kürzel: MA für Marque d'Acheteur, wörtlich „Marke des Käufers“.
Das Comité Champagne, der Dachverband von Winzern und Häusern, definiert die Kategorie knapp: Der Erzeuger, ob Handelshaus, Winzer oder Genossenschaft, verkauft fertige Flaschen, die mit der Marke des Kunden versehen sind. In seinem Merkblatt zum Etikettenlesen übersetzt das Comité MA ausdrücklich mit Handelsmarke („private label / store brands“) (Comité Champagne, How to read a Champagne label).
Der Käufer kann ein Discounter sein, eine Supermarktkette oder jeder andere Kunde, der eine eigene Marke will. Der Name vorne auf der Flasche gehört dann dem Käufer, nicht dem Haus, das den Wein gemacht hat.
Die sechs Kürzel im Überblick
Jede Champagnerflasche muss die Berufskennung ihres Erzeugers tragen. Das Comité Champagne führt sechs Kategorien:
| Kürzel | Bezeichnung | Wer steckt dahinter |
|---|---|---|
| NM | Négociant Manipulant | Handelshaus, kauft Trauben, Most oder Wein zu und stellt den Champagner selbst her |
| RM | Récoltant Manipulant | Winzer, der ausschließlich Wein aus der eigenen Ernte im eigenen Betrieb herstellt |
| CM | Coopérative de Manipulation | Genossenschaft, die Wein aus den Trauben ihrer Mitglieder herstellt |
| RC | Récoltant Coopérateur | Winzer, der seine Trauben an die Genossenschaft liefert und fertigen Wein unter eigenem Etikett zurücknimmt |
| ND | Négociant Distributeur | Händler, der fertige Flaschen kauft und in eigenen Räumen etikettiert |
| MA | Marque d'Acheteur | Käufermarke: Ein NM, RM oder CM liefert fertige Flaschen unter dem Namen des Kunden |
Quelle: Comité Champagne, Fragen und Antworten, und Merkblatt zum Etikettenlesen, Stand 2025.
Der Unterschied zwischen ND und MA ist fein, aber wichtig. Ein ND kauft fertige Flaschen und etikettiert sie selbst. Bei MA übernimmt der Erzeuger alles bis zum fertigen Etikett, der Käufer bringt nur die Marke mit.
Was für MA genauso gilt wie für Cristal
Eine Käufermarke ist kein Champagner zweiter Klasse im rechtlichen Sinn. Für die Flasche aus dem Discounter gelten dieselben Regeln der Appellation wie für den Cristal von Louis Roederer:
- Die Trauben stammen aus dem abgegrenzten Gebiet mit 319 Gemeinden und rund 34.200 Hektar Reben.
- Gelesen wird von Hand, weil die Trauben laut Gesetz als ganze Trauben in die Presse kommen müssen.
- Für eine Flasche werden rund 1,2 Kilogramm Trauben gebraucht.
- Ein Champagner ohne Jahrgang muss mindestens 15 Monate ab der Flaschenfüllung im Keller liegen, ein Jahrgangschampagner mindestens drei Jahre.
- Die Dosage-Angabe auf dem Etikett folgt denselben Grenzwerten, Brut heißt immer weniger als 12 Gramm Zucker pro Liter.
Alle Angaben stammen aus den Antworten des Comité Champagne. Der Unterschied liegt also nicht in der Herkunft, sondern darin, was der Erzeuger innerhalb dieser Regeln macht: wie lange er den Wein über die 15 Monate hinaus liegen lässt, welche Grundweine er verwendet und wie hoch er dosiert. Bei Cristal sind es rund sechs Jahre Reife. Die Mindestzeit für einen Brut ohne Jahrgang beträgt knapp ein Fünftel davon.
So finden Sie den Hersteller
Pflicht auf jedem Champagner-Etikett sind neben dem Wort „Champagne“ der Zuckergehalt, die Marke, Alkoholgehalt und Füllmenge sowie der Name des Erzeugers oder seiner Firma, die Gemeinde seines Firmensitzes und „France“. Dazu kommen die Berufskennung und eine Losnummer (Comité Champagne, Labelling). Bei einer Käufermarke lässt sich der Erzeuger also immer eingrenzen. So gehen Sie vor:
- Kürzel suchen. Meist auf dem Rückenetikett, oft in sehr kleiner Schrift: MA, gefolgt von einer Nummer.
- Firmenname und Ort lesen. Der Name des Erzeugers kann eine Firmenbezeichnung sein, die mit keiner bekannten Marke übereinstimmt. Mit Firmenname und Gemeinde, etwa Reims oder Épernay, lässt sich der Betrieb trotzdem nachschlagen.
- Dosage prüfen. Brut, Extra Dry oder Demi-Sec steht auf der Vorderseite. Extra Dry klingt trocken, liegt aber mit 12 bis 17 Gramm Zucker pro Liter über Brut.
- QR-Code nutzen. Zutatenliste und Nährwertangaben sind Pflicht und dürfen laut Comité-Merkblatt von 2025 auch über einen QR-Code abrufbar sein. Dort steht etwa, ob Zucker zugesetzt wurde.
Was sich so nicht herausfinden lässt: ob der Lieferant derselbe bleibt. Die Marke gehört dem Händler, und der kann den Erzeuger wechseln, ohne dass sich vorne auf der Flasche etwas ändert. Wer einen Discounter-Champagner gut fand, vergleicht beim nächsten Kauf deshalb das Kleingedruckte und nicht das Etikettbild.
Was Stiftung Warentest bei Discounter-Champagner fand
Die Stiftung Warentest hat Champagner aus dem Discounter zweimal geprüft. Im Dezember 2008 kürte sie den Veuve Monsigny von Aldi Süd für etwa 14 Euro zum Champagner-Favoriten, auch die Champagner von Aldi Nord, Lidl und Plus schnitten beim Preis-Leistungs-Verhältnis gut ab (Stiftung Warentest, Dezember 2008).
Zwei Jahre später testete sie 15 Champagner. Veuve Monsigny von Aldi Süd und Comte de Brismand von Lidl kosteten je 11,50 Euro und erhielten „gut“. „Sehr gut“ schafften nur Piper-Heidsieck für 26 Euro und Lanson Black Label für 30 Euro. Nur „befriedigend“ erhielt ein Bio-Champagner von Fleury für 28,90 Euro (Stiftung Warentest, Dezember 2010).
Beide Tests liegen mehr als 15 Jahre zurück. Weil die Marke dem Händler gehört und der Lieferant wechseln kann, lässt sich das Ergebnis nicht auf die heutige Flasche übertragen.
Strenger fiel das Urteil der Fachpresse aus. Hermann Pilz, Redakteur der Fachzeitschrift Weinwirtschaft, bezeichnete Discounter-Champagner Ende 2019 gegenüber der WirtschaftsWoche als oft brausig und sehr süß und bewertete sie meist mit einem schwachen „zufriedenstellend“. Einen Preis unter 10 Euro nannte er einen absoluten Kampfpreis. Aldi verwies auf effiziente Strukturen, langjährige Partner und große Mengen (WirtschaftsWoche, 23.12.2019).
Was ein Preis von 9,99 Euro übrig lässt
Ende 2019 kostete der Aldi-Champagner laut WirtschaftsWoche 9,99 Euro. Rechnet man die Steuern heraus, bleibt wenig übrig. Die Schaumweinsteuer beträgt in Deutschland 136 Euro je Hektoliter (§ 2 Schaumwein- und Zwischenerzeugnissteuergesetz), das sind 1,02 Euro je 0,75-Liter-Flasche. Dazu kommen 19 Prozent Umsatzsteuer.
| Posten | Betrag je Flasche |
|---|---|
| Ladenpreis (WirtschaftsWoche, Ende 2019) | 9,99 € |
| davon Umsatzsteuer 19 % | - 1,60 € |
| davon Schaumweinsteuer (136 € je hl) | - 1,02 € |
| Bleibt für Erzeuger, Flasche, Korken, Transport und Handel | 7,37 € |
Eigene Rechnung auf Basis von § 2 SchaumwZwStG und dem Ladenpreis laut WirtschaftsWoche.
Zum Vergleich die Zahlen des Comité Champagne für 2025: Nach Deutschland gingen 9,6 Millionen Flaschen, der Umsatz der Champagne mit dem deutschen Markt lag bei 229 Millionen Euro (Comité Champagne, Kennzahlen 2025). Das sind im Schnitt 23,85 Euro je Flasche, und zwar noch bevor deutsche Steuern, Transport und Handelsspanne dazukommen.
Die durchschnittliche Flasche für Deutschland bringt den Erzeugern also gut dreimal so viel ein, wie bei einem Preis von 9,99 Euro für alle Beteiligten zusammen übrig bleibt. Unter den großen Märkten liegt Deutschland damit zwischen Großbritannien mit 21,50 Euro und den USA mit 26,00 Euro je Flasche, Japan kommt nach derselben Rechnung auf 32,03 Euro.
Was daraus folgt, ist keine Aussage über einzelne Flaschen. Es zeigt aber, wie eng bei diesem Preis der Spielraum für längere Reife oder ausgesuchte Grundweine ist. Wer zu Silvester anstoßen will, macht damit nichts falsch. Wer verschenkt, greift besser zu einem Champagner, dessen Erzeuger auf der Vorderseite steht: einem Haus, einem Winzer oder einer Genossenschaft. Wer es günstiger und trotzdem flaschenvergoren mag, findet bei Crémant eine Alternative; die Unterschiede der Schaumweine sind unter https://www.winzerblog.at/unterschied-sekt-prosecco-champagner-cremant/ erklärt.